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„2028 könnte der Pilotbetrieb starten“

Das niederländische Start-up Hardt hat das erste funktionstüchtige Hyperloop-System in Europa entwickelt. Wie und ab wann Passagiere und Waren mit bis zu 1000 Kilometern pro Stunde durch Röhren transportiert werden, erklärt CCO Mars Geuze auf der Hypermotion und hier im Interview

Mars Geuze, Chief Commercial Officer Hardt Hyperloop
Mars Geuze, Chief Commercial Officer Hardt Hyperloop

Hardt benutzt die Hyperloop-Technik, bei der Menschen und Waren mit hoher Geschwindigkeit durch Röhren transportiert werden. Wann wird das erste Fahrzeug von Hardt Passagiere und Güter befördern?

Unser Testfahrzeug transportiert bereits jetzt Waren auf einer Teststrecke, sodass wir alle relevanten Technologien erproben können, allerdings noch nicht mit hoher Geschwindigkeit. Wir sind dabei, das European Hyperloop Center zu entwickeln. Da wird es dann bis 2022 auf einer Teststrecke von etwa 2,5 Kilometern möglich sein, in einem Rohr mit kleinerem Durchmesser Geschwindigkeiten bis 700 Stundenkilometern zu realisieren. Dieses kleinere System ist bereits für den Güterverkehr anwendbar. Außerdem arbeiten wir derzeit mit Stakeholdern aus ganz Europa zusammen am Konzept einer Pilotstrecke, die dann bis 2028 in Betrieb genommen werden könnte.

Hyperloop-Fahrzeuge lagern auf einem Magnetfeld und werden elektrisch angetrieben. Wie verhält sich ihr Energiebedarf im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln?

Der Energieverbrauch unserer Schwebetechnik ist extrem gering, eine Tonne Masse kann etwa mit der Energie einer Glühbirne schweben. Und der Energieverbrauch für den Antrieb ist aufgrund des minimalen Luftwiderstands in den Röhren auch relativ gering. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren kann man sagen, dass der Energieverbrauch eines Hyperloops pro Person und Kilometer etwa bei einem Zehntel von dem eines Flugzeugs liegt.

Wie wichtig ist die von Ihrem Unternehmen entwickelte Spurwechseltechnologie Hyperloop Switch für einen tatsächlichen Einsatz?

Öffentliche Verkehrsverbindungen bestehen ja nie nur aus einer einzigen Route von A nach B, sondern aus dem gesamten Netzwerk dieser einzelnen Routen. Ohne die Möglichkeit, die Fahrspuren zuverlässig mit hoher Geschwindigkeit wechseln zu können, wäre ein europäisches Netz, das eine wettbewerbsfähige Alternative zur Luftfahrt darstellt, nicht zu realisieren. Und obwohl es noch andere Hyperloop-Unternehmen in Europa und weltweit gibt, die Netzwerk-Ideen verfolgen, sind wir das einzige, das diese Technologie entwickelt und erprobt hat.

Wie sehen Sie die Rolle von Hyperloop in einem Mobilitätsmix der Zukunft? Kann die Technologie Bahnfahrten und Flüge innerhalb Europas ersetzen?

Wir werden all die verschiedenen Verkehrsträger brauchen, um den immensen Bedarf an Mobilität decken zu können. Ein Hyperloop hält nicht vor Ihrer Haustür, er wird mit anderen Verkehrsmitteln wie der Bahn, aber auch mit neuen Lösungen wie autonomen Autos verbunden werden. Es geht um integrierte Mobilitätslösungen. Die wichtigste Nische, auf die wir uns konzentrieren, ist der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Städten.

Eine Frage an Sie als privaten Nutzer: Was verbinden Sie mit „Neuer Mobilität“, welcher Aspekt des digital getriebenen Verkehrs in den Großstädten spricht Sie persönlich am meisten an?

Neue Mobilität bedeutet für mich, Benutzer zu sein und nicht Eigentümer. Selbst ich als Niederländer besitze nicht einmal mehr ein Fahrrad. Aber ich nutze Fahrräder, wenn ich sie brauche, mithilfe von Services wie Sharing-Diensten. Es geht nicht so sehr um einzelne Mobilitätsformen, sondern vielmehr um die Flexibilität, eine passende Lösung jederzeit und überall einsetzen zu können.

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