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„Die Supply Chain vollständig vernetzen“

Wie kann man Blockchain in der Supply Chain einsetzen? Eine Diskussion über dieses Thema auf der Hypermotion moderiert Dr. Kerstin Höfle. Bei Körber Logistics beschäftigt sich die Logistikexpertin im Rahmen der End-2-End-Vernetzung der Supply Chain auch mit neuen Konzepten für den Verkehr in der City. Welche dies sind sind, verrät sie im Interview.

Die „Supply Chain of Tomorrow“ zu entwicklen, ist das große Ziel von Dr. Kerstin Höfle (Foto: Körber Logistics)
Die „Supply Chain of Tomorrow“ zu entwicklen, ist das große Ziel von Dr. Kerstin Höfle (Foto: Körber Logistics)

„Vollintegrierte Anwendungen zur Optimierung komplexer interner und externer Logistikprozesse“ nennt Körber Logistics seine Dienste. Was bedeutet das konkret?

Wir verfügen über Expertise in den Bereichen Automatisierung und Systemintegration, Produktlösungen und Software. Und durch die konsequente Digitalisierung unserer Unternehmensgruppe sind wir ein Innovationstreiber für die Logistikbranche. Deshalb können wir als aktiver End-2-End-Gestalter der Supply Chain für unsere Kunden nachhaltig den Fluss von Informationen und Waren entlang der gesamten Lieferkette optimieren.

Welche Anforderungen kommen auf die Logistik zu im Rahmen eines neuen, nachhaltigen Mobilitätsmixes? An welchen innovativen Lösungen dafür arbeiten Sie?

Wir betrachten vor allem die City-Logistik: Innerstädtische Hauptverkehrsadern sind permanent überlastet, der Lieferverkehr verstopft zentrale Geschäftsstraßen und belastet das Straßennetz. Und es ist nicht nur das Volumen überregionaler Online-Versandhändler, das die Innenstädte überrollt. Auch der lokale Einzelhandel entwickelt neue Liefermodelle, um Alternativen zum E-Commerce anzubieten. Die immer kurzfristigere, flexible Auslieferung, die idealerweise nachhaltig ist, sich in Echtzeit verfolgen lässt und in jeder Phase kontrolliert werden kann, gilt längst als wichtiger Wettbewerbsvorteil. Die letzte Meile bis zum Endverbraucher erweist sich dabei als zentraler logistischer Knackpunkt.

Das hängt ja auch mit den Ansprüchen der Kunden zusammen.

Genau. Während sich die Rahmenbedingungen für Logistikdienstleister auf der letzten Meile immer schwieriger gestalten, wächst die Erwartungshaltung der Verbraucher. Next-Day-Delivery wird schon als Standard betrachtet. Die Verbraucher erwarten jetzt neue Konzepte für Same-Day- oder sogar Next-Hour-Delivery. Aber das funktioniert nicht mit dem Modell der klassischen Zentrallager. Diese veränderten Anforderungen diskutieren wir intensiv mit Kunden und Partnerunternehmen. Dabei geht es nicht vorrangig um alternative Logistikkonzepte wie Lieferdrohnen oder -roboter. Die Diskussion setzt wesentlich früher an – Stichwort Flächennutzung –, also etwa bei der Idee, Teilflächen eines Innenstadt-Supermarkts zu Lagerflächen für die Vor-Ort-Distribution umzuwandeln.

Wie sehen Sie die Logistik des Jahres 2040 vor Ihrem geistigen Auge? Wird es dann überhaupt noch vierrädrige Transporter geben, die Pakete von A nach B bringen?

Uns Menschen fällt es sehr schwer, über einen solch langen Zeithorizont Vorhersagen zu treffen. Körber Logistics hat ein klares Zielbild für die kommenden Jahre, hier geht es um die End-2-End-Vernetzung der Supply Chain von der Produktion bis hin zum Endkonsumenten – unter Nutzung neuester Technologie-Entwicklungen sowohl im Bereich Software (KI, Analytics, ML …) wie auch Hardware (insbesondere Robotics). Dabei betrachten wir auch scheinbar branchenfremde Technologien wie den 3-D-Druck. Vielleicht besteht im Jahr 2040 gar nicht mehr die Notwendigkeit, Pakete von A nach B zu bringen, da wir alles on demand an Ort und Stelle im 3-D-Druck produzieren können. Letztlich geht es nicht um die Anzahl der Räder, sondern um ganzheitliche Supply-Chain-Konzepte.

Eine Frage an Sie als private Nutzerin: Was verbinden Sie mit „Neuer Mobilität“, welcher Aspekt des digital getriebenen Verkehrs in den Großstädten spricht Sie persönlich am meisten an?

Ich finde spannend, was alles gerade passiert: verschiedene Anbieter, seien es bekannte Automobil-OEMs wie VW mit MOIA  in Hamburg, sei es Sixt mit seinem neuem Mobilitätskonzept oder natürlich jüngst die E-Tretroller. Bisher sehen wir leider fast nur Insellösungen, und ich freue mich auf den Tag, an dem wir wirklich von neuer Mobilität sprechen können. Nahtlos und unkompliziert. Ich selbst pendle zwischen zwei Wohnworten und ja, da schleppt man immer eine Menge mit sich rum. Die Kombination E-Roller, Bus und Bahn ist da einfach nicht praktikabel. Leider kann ich noch nicht auf mein Auto verzichten, und ich gehöre auch nicht zu denjenigen, die das Auto verteufeln. Aber ich wundere mich schon, dass auf der Autobahn fast jedes Auto nur mit einer Person besetzt ist, da muss es bessere Lösungen geben. Vor ein paar Wochen habe ich überlegt, eine Mitfahrgelegenheit zu nutzen. Leider war der Treffpunkt so abgelegen, dass er nur mit einem Taxi erreichbar gewesen wäre – insgesamt gesehen also absolut unwirtschaftlich.


Dr. Kerstin Höfle
Als Head of Technology Management bei Körber Logistics Systems erarbeitet Dr. Kerstin Höfle zusammen mit ihrem Team innovative Lösungen auf Basis neuer Technologien wie Additive Manufacturing und Advanced Robotics. Ihr persönliches Ziel: die „Supply Chain der Zukunft“ zu entwickeln und zu gestalten. Dabei kann sie auf internationale Expertise in der Logistik zurückblicken. Nach ihrer Promotion an der Universität St. Gallen hat sie in der Schweiz digitale Strategien entwickelt, bevor sie im September 2018 bei Körber Logistics Systems angefangen hat.

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