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„Wo Mensch und Technik verschmelzen“

Die Kommunikation am Übergang zwischen Nervensystem und künstlicher Intelligenz ist das Spezialgebiet von Dr. Jörn Rickert. Auf der Hypermotion spricht der Geschäftsführer von CorTec über Cyborgs. Der Neurobiologe im Interview.

Dr. Jörn Rickert arbeitet mit CorTec an elektronischen Implantaten für Gelähmte (Foto: CorTec GmbH)
Dr. Jörn Rickert arbeitet mit CorTec an elektronischen Implantaten für Gelähmte (Foto: CorTec GmbH)

Was hat Sie angeregt, auf einer Plattform für intelligente Transportsysteme aufzutreten, bei der nicht in erster Linie der Transport von Botenstoffen im Gehirn gemeint ist?

Ich hatte eine spannende Diskussion in Berlin auf einem Forum über Cyborgs, das von Martin Fröhlich, dem Head of New Horizons bei der Deutschen Bahn organisiert und moderiert wurde, der ja auch Moderator beim Hypermotion-Lab ist. Das Thema, wo Mensch und Technik aufhören beziehungsweise verschmelzen, beschäftigt mehr und mehr Menschen. Mithilfe von Gehirnimplantaten will etwa Elon Musks neue Firma Neuralink das menschliche Gehirn mit dem Internet verbinden – damit der Mensch in Zukunft mit der künstlichen Intelligenz mithalten kann. An dieser Technologie arbeiten wir auch bei CorTec – allerdings mit dem Ziel, Krankheiten behandeln zu können.

Welche Lösungen bieten Sie Kranken?

Wir forschen an Hirnimplantaten. Damit könnten Gelähmte nicht funktionstüchtige Nervenbahnen überbrücken und Muskeln ansprechen und sich so bewegen. Auch könnten die Impulse aus den Hirnimplantaten genutzt werden, um ein Exoskelett zu steuern und natürlich auch, um zu kommunizieren.

Die Hypermotion arbeitete für die beiden vergangenen Veranstaltungen in ihrer Kommunikation mit der Abbildung eines Gehirns, auf dem ein neuronales Geflecht angedeutet ist. Wie schlüssig finden Sie als Neurobiologie diese Analogie?

Zwischen dem Verkehr und einem Gehirn gibt es schon Parallelen. Ein Verkehrsteilnehmer entspräche demzufolge einem Hirnsignal auf seinem Weg, zum Beispiel von der Netzhaut zur Sehrinde. Und weil von beiden sehr viele gleichzeitig unterwegs sind, brauche ich jeweils viele parallele Strukturen. Die zeitliche Synchronisation spielt bei beiden eine wichtige Rolle, und Gehirn und Verkehr verfügen über zahlreiche Knotenpunkte. Bei Letzterem wären das Bahnhöfe oder Flughäfen.

Sie haben über menschliche Intelligenz gearbeitet, heute sind Sie auch Experte für künstliche Intelligenz. Welche Intelligenz kann besser mit den Anforderungen der modernen Mobilität umgehen?

Solange die Mobilität in künstlichen, klar strukturierten Umgebungen stattfindet, also zum Beispiel auf einer Autobahn, kann das sicher die künstliche Intelligenz besser. Aber je weniger Strukturen da sind, je chaotischer die Umgebung ist, desto mehr ist die menschliche Intelligenz im Vorteil. Zu Fuß durch den Wald gehen, sich einen Weg durch eine natürliche Wildnis bahnen – das kann der Mensch eindeutig besser.

Eine Frage an Sie als privaten Nutzer: Was verbinden Sie mit „neuer Mobilität“, welcher Aspekt des digital getriebenen Verkehrs in den Großstädten spricht Sie persönlich am meisten an? Und was bedeutet für Sie der Begriff Hypermotion?

Großstädte sollten Pkw-frei werden. Persönlich denke ich, dass hierfür das mit Muskelkraft betriebene Fahrrad am besten ist – die meisten von uns brauchen ja mehr Bewegung. Für weitere Strecken fände ich persönlich autonome Pkw hilfreich und am Ende auch sicherer und weniger stau-anfällig. Beim Begriff Hypermotion denke ich an Hyperraum und die nächste Generation von Mobilität. Eine Kernfrage der Zukunft ist für mich: Werden wir weiterhin physisch reisen oder mehr und mehr virtuell?


Dr. Jörn Rickert
Der Biologe promovierte über die Repräsentation von Bewegung im Motorcortex und leistete damit einen Beitrag zur neurobiologischen Grundlagenforschung. Seit Gründung von CorTec im September 2010 ist er Geschäftsführer des Unternehmens.

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