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Interview mit Tom Plümmer, CEO & Co-Founder von Wingcopter

Auf der Hypermotion 2020 war Tom Plümmer, CEO & Co-Founder von Wingcopter, Teil des Experten-Talks zum Thema "Drohnen Boom – Die Stunde der Überflieger". Drohnen sollen in Zukunft zunehmend für die Logistik und zur Entlastung des Straßenverkehrs eingesetzt werden. Welche Lieferanwendungen ergeben sich daraus? Im Interview spricht er über die Herausforderungen und Ziele des Unternehmens.

Tom Plümmer, CEO & Co-Founder von Wingcopter

Was macht Wingcopter?

Wir entwickeln und produzieren unbemannte Lieferdrohnen und haben uns dem Ziel verschrieben, das Leben von Menschen weltweit durch sinnvolle kommerzielle und humanitäre Anwendungen zu verbessern. Dank unseres einzigartigen, patentierten Schwenkrotor-Mechanismus übertreffen unsere Drohnen bei weitem die Reichweite und Nutzlastfähigkeiten kommerzieller Multicopter-Drohnen. Unsere elektrisch angetriebenen Wingcopter können wie Multicopter senkrecht auf kleinstem Raum starten und landen, fliegen lange Strecken aber gleichzeitig genauso effizient und schnell wie Flächenflugzeuge. Hierdurch schaffen wir Reichweiten von bis zu 120 Kilometern und eine Guinness-Weltrekordgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern.

Wingcopter

An welchen Use Cases arbeitet das Unternehmen?  

Wir arbeiten aktuell hauptsächlich an verschiedenen Lieferanwendungen, insbesondere an der Lieferung medizinischer Güter sowie der Zustellung von Paketen und Lebensmitteln. In diesen Bereichen haben wir bereits viele Erfahrungen in Projekten und mit Partnern sammeln können. Im Gesundheitsbereich liegt derzeit auch ein starker Fokus auf Anwendungen, die die Auswirkungen der Corona-Pandemie abfedern helfen (z.B. Lieferung von Testkits und persönlicher Schutzausrüstung für Beschäftigte im Gesundheitswesen, Verteilung eines Corona-Impfstoffs in entlegenen Gegenden).

"Gemeinsam mit unserem Partner UPS entwickeln wir gerade die nächste Generation Lieferdrohnen, die im Vergleich zu allen aktuell verfügbaren Systemen einen Quantensprung darstellen wird."

Darüber hinaus kann der Wingcopter aber auch für die Sammlung und Auswertung von geografischen oder infrastrukturellen Daten genutzt werden, z.B. bei Kartierungs- oder Inspektionsvorhaben.

Wingcopter

Was sind die aktuellen Herausforderungen im Drohnenmarkt? 

Aktuell braucht man hierzulande für Flüge außerhalb der Sichtweite noch Sondergenehmigungen von den Luftfahrbehörden und allen involvierten Akteuren. Da würde es natürlich helfen, wenn der Gesetzgeber möglichst rasch Rahmenbedingungen für einen regulären und flächendeckenden Betrieb solcher Flüge festlegen würde. Diese Rahmenbedingungen sollten den allgemeinen Luftfahrtstandards ähneln, um ein hohes Sicherheitsniveau zu gewährleisten. Wir arbeiten in den entsprechenden Arbeits- und Zertifizierungsgremien an einer Definition dieser Regeln aktiv mit.

Die zweite Herausforderung besteht darin, ein einheitliches System zu entwickeln, das die Kommunikation aller in dem entsprechenden Luftraum befindlichen bemannten und unbemannten Fluggeräte ermöglicht – und das, ohne die Privatsphäre von Unbeteiligten zu stören. Wir sind guter Hoffnung, dass es schon bald technische Lösungen gibt, die diese Herausforderungen zufriedenstellend bewältigen werden.  

Wingcopter

Last but not least: Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Akzeptanz, um das große Potential unbemannter ziviler Technologie erschließen zu können. Hier hat der Wingcopter klare Vorteile gegenüber herkömmlichen Multicoptern. Neben der ansprechenden Optik wird beim Wingcopter beispielsweise im Flächenflugmodus die Hälfte seiner Antriebe abgeschaltet, sodass er deutlich leiser fliegt. So wird es möglich, eine große Anzahl von Drohnen für die Logistik und zur Entlastung der Straßen einzusetzen, ohne dass die Menschen dadurch gestört werden.