Überspringen

„Neue Seidenstraße“: 5 Fragen – 5 Antworten mit Dr. Jörg Mosolf

Dr. Jörg Mosolf wird bald der erste deutsche Logistiker sein, der Autos nicht mit dem Schiff, sondern mit der Eisenbahn nach China verfrachtet. Am Rande der Hypermotion 2018 haben wir mit ihm über die „Neue Seidenstraße“ gesprochen.

Noch werden Autos vornehmlich mit dem Schiff nach China transportiert.  Das will Dr. Jörg Mosolf, CEO der Mosolf Gruppe ändern. (Foto: Mosolf)
Noch werden Autos vornehmlich mit dem Schiff nach China transportiert. Das will Dr. Jörg Mosolf, CEO der Mosolf Gruppe ändern. (Foto: Mosolf)

Was ist die „Neue Seidenstraße“ – und warum rückt sie derzeit wieder stärker in den Fokus?

Die „Neue Seidenstraße“, auch Belt Road Initiative genannt, ist ein logistisches, aber vor allem auch politisches Projekt, das Asien mit Europa verbinden will. Es gibt eine wasserseitige und eine kontinentale Seidenstraße. Die Seewege werden weiterentwickelt und der Schienenverkehr wird gestärkt. So werden verkehrliche Alternativen geschaffen und die Kombination von Seeweg und Schiene gefördert. Die Initiative ist nicht neu, aber rückt erst jetzt in den europäischen Blickpunkt. Wir Europäer haben die „Neue Seidenstraße“ sicherlich zu lange vernachlässigt, doch nun gelangt das Thema umso mehr in den Fokus.

Wie wollen Sie die Landfrachtverbindung nach China für sich nutzen?

Wir bauen derzeit zwei Knotenpunkte auf: Lodz und Chengdu. Das polnische Lodz ist Beginn und Endpunkt der Verbindung auf europäischer Seite. Das chinesische Pendant ist die Stadt Chengdu in Mittelchina. Hier sind wir gerade dabei, bis zum ersten Quartal 2019 eine hundertprozentige Tochterfirma zu gründen. Wir sind dann in der Lage, den Vor- und Nachlauf ab den Werken – egal ob in China oder Europa – zu organisieren. Dafür haben wir alle Verkehrsträger im Angebot, die uns auch selbst gehören.

Welche Vor- und Nachteile realisieren Sie damit gegenüber dem Seeverkehr?

Jeder Verkehrsträger hat seine Stärken und Schwächen. Der Seeverkehr im Volumen ist sicherlich kostengünstiger, vor allem, wenn Sie in die Regionen an der Küste wie Shanghai, Peking oder Shenzen fahren. Der Landverkehr geht in erster Linie in die Mitte und den Nordwesten von China. Hier liegen die neuen Wirtschaftszentren. Der Seeverkehr braucht etwa 60 Tage, bis er Mittelchina erreicht hat, mit dem Zug können wir das Ganze in 20 Tagen bewältigen. In Zukunft wahrscheinlich noch schneller. Die Landfrachtverbindung eignet sich also vor allem für den Transport von hochwertigem Schwergut mit kurzer Laufzeit. Das Volumen der transportierten Güter auf der Seidenstraße wird aber sowohl auf dem Seeweg als auch auf dem Landweg weiter zunehmen.

Welche neuen Fragestellungen ergeben sich durch die „Neue Seidenstraße“?

Es gibt natürlich auch kritische Punkte in Bezug auf die Belt Road Initiative. Investitionen in die Infrastruktur wie Schienenwege und Häfen werden von chinesischer Seite beispielweise oft an Verkehrslizenzen und Folgeaufträge für chinesische Unternehmen gekoppelt. Europäische Firmen können kaum mit den vollständig staatlich geförderten Investitionen der Chinesen konkurrieren. Damit drohen chinesische Investitionen zu weltweiten Markteintrittsbarrieren zu werden und die Wertschöpfung in Europa zu schwächen. Zusätzlich werden etwa Investitionen in Asien und Afrika von China genutzt, um chinesische Standards durchzusetzen. Anschließend gibt es keine Chance mehr für andere Unternehmen, dort aktiv zu werden. Umso stärker muss sich Europa also engagieren, um die Regeln vor Ort mitbestimmen zu können.

Was bedeutet die Landverbindung nach China für die an der Strecke liegenden Länder?

Länder und Regionen, die aus politischen oder ökonomischen Gründen oftmals durch das westliche Investitionsraster fallen, erhalten durch die „Neue Seidenstraße“ eine Chance zur Teilhabe an Handelsströmen. Sie erhalten Zugang zu neuen Märkten und können ein bestehendes Verkehrsnetz nutzen. Unternehmen werden sich in den Regionen ansiedeln und das Know-how steigt. Insgesamt wird der wirtschaftliche Wohlstand entlang der „Neuen Seidenstraße“ sicherlich steigen.

Über Dr. Jörg Mosolf

Dr. Jörg Mosolf ist ausgebildeter Speditionskaufmann und promovierte nach dem MBA in St. Gallen an der Universität von Prag über „Interkulturelles Management in der Logistik“. Er sammelte Erfahrungen in London und verschiedenen Niederlassungen der Mosolf Gruppe. Seit 2002 ist er in der Firmenzentrale in Kirchheim tätig. Zu seinem Aufgabengebieten als geschäftsführender Gesellschafter gehören die Bereiche Unternehmensstrategie, Marketing und Unternehmenskommunikation sowie der Vertrieb.

Hypermotion 2018: Neue Seidenstraße

Die Messe Frankfurt verwendet Cookies, um Ihnen das bestmögliche Besuchserlebnis bieten zu können. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen